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发表于 2008-4-1 03:51
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“报道”原文第二段:
Berlin (DEA). Die Absichtserklärung von Shimha Citha, dem Vorsitzenden der Vereinigung für eine islamische Autonomie in Deutschland e.V., eine islamische Selbstverwaltung in Deutschland zu ergründen (DEA berichtete), löste eine Welle heftigster Reaktionen aus.
Die erste negative Reaktion kam von Ayyub Axel Köhler, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland: "Diese Anforderung ist absurd und übertrieben. Damit wird keineswegs das Image von Muslimen in Deutschland gefördert und ihre Situation verbessert. Vielmehr trägt diese Übung dazu bei, die Gesellschaft, in der auch Millionen von Muslimen leben, zu destabilisieren."
Auch für Norman Paech, den außenpolitischen Sprecher der Linken, sei es dabei äußerste Vorsicht geboten. Noch habe die Bundesregierung, und vor allem auch das Parlament, die Zügel in der Hand, die Zustimmung zu der Autonomieanstrebung zu verweigern. Jedoch könne sich das offizielle Deutschland, das sich in der letzten Zeit international ausdrücklich für Unabhängigkeit und Selbstbestimmung stark macht, einen solchen Schritt fast nicht leisten. "Wer A sagt, muss auch B sagen."
Guido Westerweiler, der FDP-Vorsitzende, sehe dabei jedoch die Möglichkeit, neuen Horizont für seine Partei zu öffnen. Er lasse sich die Chance nicht nehmen, zusammen mit Mitbürgern islamischen Glaubens endlich einmal das vom verstorbenen Parteikollegen Jürgen Möllemann angepeilte Ziel von 18 Prozent der Wählerstimmen zu erreichen. Zur Lebzeit war Möllemann Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft.
Die Volksparteien Deutschlands sind sicherlich nicht darauf angewiesen, für Stimmenfang unnötige Zugeständnisse zu machen, nur um nicht unter der magischen 5-Prozent-Hürde zu fallen. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (SPD) z. B. konnte die Nachricht gelassen hinnehmen. Die Autonomieanforderung werde jeglicher demographischen Grundlage entbehren, betonte die siebenfache Mutter, "wenn alle Deutschen ihre Hausaufgaben richtig machen".
Der Berliner Senat hielt den Autonomievorschlag der Muslime für unakzeptabel. Allein die Vorstellung, eine islamische Selbstverwaltung auf ihrem eigenen Territorium entgegenkommen zu sehen, scheint ihm ein schrecklicher Alptraum zu sein. Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte ein rigoroses "Nein": "Eine separatistische Selbstverwaltung innerhalb der bundesdeutschen Hauptstadt kommt für uns gar nicht in Frage!"
Von den deutschen Medien wurde der Autonomievorstoß der deutschen Muslime frenetisch zugejubelt. Die deutsche Öffentlichkeit, hob SPIEGEL-ONLINE hervor, stehe immer auf der Seite der Schwachen und Benachteiligten. Bekanntlich gehöre die türkischen Einwanderer mehrheitlich immer noch zu den schwachen und benachteiligten Gesellschaftsschichten, auch beinahe ein halbes Jahrhundert nach dem herzlichen Empfang der ersten türkischen Gastarbeiter, die seinerzeit zum Wiederaufbau in Deutschland eingeladen worden waren.
"Hohe Arbeitslosenquote, Jugendkriminalität, hohe Gewaltbereitschaft, all diese sind Stichwörter, die bei der Berichtserstattung über türkische Einwanderer häufig anzutreffen sind", so resümiert Rüdiger Oppers, Chefredakteur der Neuen Ruhr/Rhein Zeitung. "Hinzu kommt, dass die freie Religionsausübung deutscher Muslime in einer christlichen Gesellschaft von der Umgebung immer mit Argwohn betrachtet wird." Sein Fazit: "Es ist den Muslimen hierzulande ein gutes Recht, nach mehr kultureller Eigenständigkeit zu verlangen. Die Errichtung einer islamischen Selbstverwaltung kann eine Menge Probleme lösen."
Die jährlich stattfindende Straßenschlacht in Berlin-Kreuzberg, wo sich viele türkische Familien niederlassen, sei für Oppers ein eindeutiges Zeichen dafür, dass "die friedfertigen Protestierenden damit ihrem Widerstand gegen Unterdrückung Ausdruck verleihen". Er zeigte sich wütend über das brutale Vorgehen der Polizei gegen die friedlich steinwerfenden sowie Geschäftsplündernden und Autos in Brand setzenden Demonstranten.
"Wie kann man wieder ganz normal zur Tagesordnung übergehen?" fragte Oppers. "Man muss solidarisch mit den Muslimen dem Berliner Senat, der dem Vorstoß der Kreuzberger Autonomie despotisch in die Quere kommt, die Stirn bieten und die Polizeigewalt auf der Berliner Strasse ein Ende setzen." Sein Aufruf: "Boykottiert die Berlinale!"
Roland Koch, der Noch-Ministerpräsident von Hessen, würde einen Boykott als das letzte Mittel in Erwägung ziehen. Auch wenn die Berliner Stadtregierung sich rechtfertigte, dass die Gewalt letztendlich von den demonstrierenden Autonomen ausginge und die Autonomieanforderung, die Straßengewalt und die Berlinale auseinander zu halten seien, blieb Koch bei seiner Position: "Herrn Wowereit, der mit Fanfare und Glamour seine böse Absicht vertuschen will, den freiheitskämpfenden Muslimen die Autonomie zu rauben, soll die Chance entzogen werden, und das ist auch gut so."
Für Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble jedoch seien ein paar zerschlagenen Fensterscheiben "kein Grund für einen Boykott". "Damit würden nur die armen Schauspieler und Regisseuren bestraft." Unterdessen soll er aber angeordnet haben, die Organisation von Shimha Citha vom Bundesnachrichtendienst beobachten zu lassen.
Benjamin H. (Name der Redaktion bekannt), ein Aktivist aus der linksautonomen Szene, freut sich "tierisch" über die Aussicht eines Berlinale-Boykotts: "Endlich haben wir ein wirkungsvolles Druckmittel gefunden. Jetzt bin ich gespannt darauf, ob wir durch unsere nächste Straßenaktion das fertig bringen können, dass diese ekelige Prunkshow einmal ausfällt."
Viele Internet-User, die in Online-Foren heftigst über die ablehnende Haltung des Berliner Senats diskutieren, ging ein Berlinale-Boykott gar nicht mehr weit genug. Sie fordern einen Boykott von allem, was aus Berlin kommt. Eine Userin schrieb, sie hätte die Berliner Pfannkuchen bereits abgeschwören. Einige Patisserieliebhaber zeigten sich dabei jedoch wenig erfreut. Für sie sei mit einer Umbenennung durch andere deutsche Ortsnamen Genüge getan. Die neuen Namenvorschläge reichen von "Rottweiler Süßburger" bis zu "Donut von Rothenburg".
Allerdings wartete die Bild-Zeitung bereits mit Bildern auf, die eindeutig die Krawalle nach der polizeilichen Räumung vom Jugendhaus Ungdomshuset in Kopenhagen zeigen. Konfrontiert mit dem Vorwurf, mit falschem Bildmaterial die öffentliche Meinung manipuliert zu haben, antwortete eine Bild-Mitarbeiterin: "Na und? Kopenhagen ist doch die Hauptstadt eines deutschen Bundeslandes, oder?"
Im deutschen Fernsehen wurden auch ununterbrochen Bildsequenzen gezeigt. Bilder, die gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten zum Inhalt haben, vor allem grausame Brutalität, die angeblich von der Polizei ausging. Bilder von einem blutüberströmten jungen Mann, der von einer Polizeikugel tödlich getroffen wurde, flimmerten dauernd auf dem Bildschirm - allerdings sind die Bilder während der G8-Treffen in Heiligendamm und in Genua, Italien, entstanden.
Auch wenn in den ausgestrahlten Bildern keine für Autonomie kämpfende Muslime zu sehen sind, ließen alle Reporterinnen und Reporter in ihren Bildkommentaren verkünden, dass die Gewalt einen Berlinale-Boykott unvermeidlich mache. Peter Klöppel, der Chef-Nachrichtmann von RTL, quittierte einen Beitrag seines Senders mit dem ihm typischen Augenzwinkern: "Die Sensation ist perfekt."
Shimha Citha sei nicht für einen Boykott der Berlinale, auch wenn, wie er selbst informierte, gewisse Personen in seinem engen Umkreis sich mit diesem Gedanken sympathisierten. Er dementierte vehement die Gerüchte, wonach seine Organisation Kopfgelder auf der Schauspielerin Sibel Kekilli und dem Regisseur Fatih Akin gesetzt habe, die im Golden-Bär-würdigen Film "Gegen die Wand" "das Türkentum unwürdig gemacht" haben sollen.
Auf die Frage, ob er nach der Autonomie als den nächsten Schritt die Unabhängigkeitserklärung eines eigenständigen islamischen Staates innerhalb des bundesdeutschen Gebietes sehe, gab er zu bedenken, was für Möglichkeiten mit der Errichtung der Autonomie schon erreicht werden könnten. Dazu zählte er die "uneingeschränkte Religionsausübung", öffentliches Kopftuchtragen führe dann nicht mehr zum Politikum, sowie "die problemlose Schließung einer vom Familienoberhaupt umsichtig arrangierten Ehe". Auch "die Beseitigung unehrenhafter Familienmitglieder" werde nicht mehr "ketzerisch verfolgt", da es durchaus denkbar sei, eigene, islamische Gesetzgebung innerhalb des Autonomiegebietes geltend zu machen.
Erwin Huber, der CSU-Vorsitzende, lehnte eine islamische Autonomie in Deutschland kategorisch ab. Seine Partei könne es nicht dulden, einen selbständigen Staat in Deutschland entstehen zu lassen. "Wie könnte man tatenlos zusehen", fragte er, "wenn Verbrechen wie Zwangsehe und Ehrenmord in Deutschland legalisiert werden?" Er musste feststellen: "Deutschland ist ein christliches Land. Deutschland darf niemals islamisiert werden!"
Bei der NPD war offiziell niemand bereit, zu der geplanten islamischen Autonomie Stellung zu nehmen. Auf der Homepage der rechtsradikalen Partei ist jedoch einzig eine rollende Headline zu lesen: "Ausländer raus!" |
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